Je weiter wir Richtung Montpellier fuhren, desto mehr verliebten wir uns in dieses kleine, ursprüngliche Frankreich.

Wir kamen durch wunderschöne kleine Ortschaften, vorbei an liebevoll dekorierten Häusern, alten Brunnen und diesen kleinen Details, die man eigentlich nur entdeckt, wenn man nicht zu schnell unterwegs ist. Sonnenblumenfelder leuchteten am Straßenrand in der warmen Nachmittagssonne und überall lag dieser besondere Zauber des französischen Sommers in der Luft.

Und dann war da Viviers.

Viviers liegt in der Ardèche, direkt am Rhône-Tal, etwa zehn Kilometer südlich von Montélimar. Die kleine Stadt hat heute nicht einmal 4.000 Einwohner und blickt auf eine Geschichte zurück, die bis in die Antike reicht. Seit dem 5. Jahrhundert ist Viviers Bischofssitz. Die historische Stadt erstreckt sich vom tiefer gelegenen Teil hinauf zur alten Oberstadt, wo einst Bischof und Domherren lebten.

Und genau dort oben entdeckten wir sie, die Cathédrale Saint-Vincent.

Sie steht auf der Anhöhe mitten im historischen Viertel und wacht seit Jahrhunderten über die Stadt. Die heutige Kathedrale entstand ab dem späten 11. Jahrhundert und wurde 1119 geweiht. Ihre alten Mauern erzählen von einer längst vergangenen Zeit und machen den kleinen Ort zu einem ganz besonderen Stück Geschichte.

Wir liefen durch die alten Gassen, vorbei an Mauern, Türen und kleinen Winkeln, die aussahen, als hätten sie seit Ewigkeiten auf jemanden gewartet, der sie wieder entdeckt.

Und wir waren fast alleine.

Die Sonne stand schon tief. Dieses warme, goldene Licht lag auf den alten Steinen und ließ alles ein wenig unwirklich erscheinen. Die Luft war noch warm vom Tag und irgendwo zwischen den alten Gemäuern und den stillen Gassen hatte man tatsächlich das Gefühl, durch eine längst verlassene Stadt zu spazieren.

Auf manchen Bildern könnte man fast meinen, Viviers wäre menschenleer.

Vielleicht war genau das der Moment, den wir gebraucht hatten.

Kein Zeitplan. Kein „Wir müssen noch schnell weiter“. Keine nächste Sehenswürdigkeit, die auf uns wartete.

Nur wir, dieser kleine Ort und Zeit und genau dafür liebten wir unseren Roadtrip.

Viviers war nur ein kurzer Zwischenstopp auf unserem Weg nach Süden.

Aber es sind genau diese ungeplanten Momente, die am längsten in Erinnerung bleiben.

Wir fuhren weiter Richtung Montpellier, mit warmem Sommerlicht im Rückspiegel, Frankreich im Herzen und diesem leisen Gefühl, gerade wieder einen kleinen Schatz gefunden zu haben.

Montpellier sollte unsere vorletzte Station werden, bevor wir Barcelona erreichen würden.

Und während die Straße vor uns lag, wussten wir schon:

Genau so sollte sich dieser Roadtrip anfühlen.
Frei, ungeplant und voller kleiner Geschichten, die man nicht planen kann.