Der dritte Reisetag begann in Montpellier. Bevor es endgültig Richtung Spanien ging, stand zunächst ein kleiner Rundgang durch die südfranzösische Stadt auf dem Programm. Geparkt wurde direkt am Triumphbogen in einer Tiefgarage. Mit rund drei Euro für eine Stunde war das sogar überraschend günstig. Von dort ging es zu Fuß durch die Altstadt, vorbei an der imposanten Kathedrale Saint Pierre, dem traditionsreichen Jardin des Plantes und zahlreichen historischen Gebäuden. Doch Montpellier zeigte auch seine moderne und kreative Seite. Zwischen den alten Fassaden entdeckten wir interessante Streetart und sogar ein Fahrrad, das kurzerhand zum Wandschmuck geworden war. Genau diese kleinen Entdeckungen machen einen spontanen Rundgang durch eine fremde Stadt besonders spannend. Nach diesem kurzen Eindruck von Montpellier sollte die Fahrt weitergehen. Eigentlich. Aus dem Parkhaus in die Haltestelle Nach dem Verlassen der Tiefgarage wurde es plötzlich kompliziert. Die Ausfahrt führte praktisch direkt in den Bereich einer Straßenbahnhaltestelle. Rundherum waren Fußgänger, Straßenbahnen und fast kein einziges anderes Auto zu sehen. Sehr schnell wurde klar: Hier befanden wir uns mitten im weitgehend autofreien Zentrum von Montpellier. Fast alle möglichen Ausfahrten waren durch massive Stahlpoller versperrt. Diese ließen sich offenbar nur von berechtigten Personen per Fernbedienung öffnen. Das Navi schickte uns immer wieder in Straßen, die entweder gesperrt waren oder ausschließlich für Straßenbahnen und Fußgänger vorgesehen schienen. So rollten wir als nahezu einziges Auto etwas peinlich zwischen Fußgängern und Straßenbahnen durch die Innenstadt. Umkehren, einen neuen Weg versuchen und wieder vor einem Poller stehen. Für einen Moment fühlte es sich tatsächlich so an, als wären wir in Montpellier gefangen. Nach einer kleinen Irrfahrt fanden wir schließlich den nicht ausgeschilderten Ausweg. Er lag ausgerechnet ganz in der Nähe der Haltestelle und der Ausfahrt unserer Tiefgarage. Also schnell raus aus Montpellier und weiter Richtung Spanien. Ein großes Baguette für 2,40 Euro Nach der aufregenden Ausfahrt aus Montpellier legten wir in einem kleinen französischen Ort erst einmal eine Pause ein. In einem Einkaufszentrum entdeckten wir ein kleines Café und bestellten ein frisch belegtes, wirklich großes Baguette. Der Preis: gerade einmal 2,40 Euro. Noch erstaunlicher war das angebotene Menü. Zusammen mit einem kleinen Kaffee kostete das Baguette nur 2,50 Euro. Beim Bezahlen fragte ich tatsächlich zweimal nach, ob der Preis wirklich stimmte. Doch es war kein Missverständnis. Ein frisch zubereitetes großes Baguette und ein Kaffee für insgesamt 2,50 Euro. Mit solchen Preisen hatten wir in Frankreich wirklich nicht gerechnet. Gut gestärkt und noch immer etwas ungläubig ging es anschließend weiter Richtung spanische Grenze. Die letzten Kilometer durch Frankreich Abseits der Autobahn führte die Strecke auf Landstraßen Richtung Grenze. Teilweise verlief sie parallel zur Autobahn, später ging es hinauf ins Gebirge. Die Landschaft wurde immer beeindruckender. Tiefe Täler, sehr hohe und zugleich schmal wirkende Brücken und noch weiter oben die Autobahn, die sich durch die Berge zog. Unsere Straße führte dagegen direkt durch die Orte und über kleinere Übergänge. Auch die Grenze zwischen Frankreich und Spanien verlief mitten durch einen engen Ort. Gleichzeitig war dieser Ort eine echte Hochburg für Grenzshopping. Geschäft reihte sich an Geschäft und offenbar kommen viele Menschen genau hierher, um günstig einzukaufen. Der eigentliche Grenzübergang war nicht besetzt. Lediglich ein Streifenwagen stand am Rand und beobachtete den Verkehr. Keine Kontrolle, kein Anhalten. Wenige Augenblicke später waren wir in Spanien. Von dort ging es lange bergab und anschließend weiter in Richtung Mittelmeer. Als wir schließlich die Küste erreichten, lag nur noch etwa eine halbe Stunde Fahrt vor uns. Die letzten Kilometer führten auf der Landstraße direkt an der Küste entlang. Immer wieder öffnete sich zwischen den Orten der Blick auf das tiefblaue Wasser. Nach drei langen Tagen im Auto war das Ziel nun zum Greifen nah. Fast 2.000 Kilometer ohne Zwischenfall und dann kam der letzte Kreisverkehr Beinahe 2.000 Kilometer waren bis dahin unfallfrei und ohne größere Zwischenfälle geschafft. Dann kam, weniger als einen Kilometer vor dem Hotel, der gefühlt tausendste Kreisverkehr dieser Reise. Zweispurig, aber eigentlich nichts Besonderes. Ich fuhr ganz normal auf der rechten Spur, hielt meine Spur und beobachtete aufmerksam, welche Spuren die anderen Fahrzeuge durch den Kreisverkehr nahmen. Schon vorher waren an vielen Kreisverkehren die Rollerfahrer aufgefallen, die sich teilweise mit erstaunlichem Mut durch jede noch so kleine Lücke drängelten. Diesmal meinte ein Rollerfahrer, noch rechts am Auto vorbeizukommen. Das Problem: Auch ein Kreisverkehr führt irgendwann nach rechts. Die von ihm vermutete Lücke zwischen Auto und Fahrbahnrand war schlicht nicht vorhanden. Dann machte es plötzlich: BUMS! Der Roller traf das Auto und der Fahrer stürzte seitlich von seiner Maschine. Sofort angehalten, zunächst noch mitten im Kreisverkehr und anschließend ein Stück zur Seite. Der junge Mann stand zum Glück direkt wieder auf. Sein Vater, der auf einem zweiten Roller unterwegs war, hielt ebenfalls an, half ihm auf und schob gemeinsam mit ihm die Roller hinüber zum Gehweg. Meine erste Frage war nur, ob alles in Ordnung sei. Obwohl ich wusste, dass ich den Unfall nicht verursacht hatte, entschuldigte ich mich zunächst und wollte die Polizei rufen, damit alles korrekt aufgenommen wird. Doch beide winkten sofort ab. „No policia! No, no, no. All okay, all fine. No problem!“ Der Vater fragte seinen Sohn noch einmal, ob wirklich alles in Ordnung sei. Zum Glück war der Junge nicht verletzt. Am Roller waren lediglich ein paar Kratzer zu sehen. Sowohl der Vater als auch sein Sohn wussten offenbar, dass der Junge den Unfall verursacht hatte. Eine Diskussion darüber, wer schuld war, gab es deshalb überhaupt nicht. Danach erkundigten sich beide sogar eher danach, ob mein Auto beschädigt worden war. Das war in diesem Moment allerdings völlig nebensächlich. Wichtig war nur, dass niemand verletzt war. Am Kia blieb lediglich ein Kratzer am Kotflügel zurück, der sich vermutlich gut herauspolieren lässt. Der Lenker des Rollers muss außerdem die Felge getroffen haben. Zur Sicherheit machte ich trotzdem einige Fotos, um den Vorfall dokumentiert zu haben und später nicht plötzlich mit dem Vorwurf einer Fahrerflucht konfrontiert zu werden. Danach einigten sich alle darauf, dass alles in Ordnung sei und so etwas eben passieren könne. Die beiden Rollerfahrer waren schnell wieder verschwunden und auch für uns ging es weiter. Bemerkenswert war die Reaktion der Menschen rundherum. Es gab keine Schaulustigen, nur ein paar Passanten fragten den Jungen und seinen Vater direkt nach dem Sturz, ob alles in Ordnung sei. Als klar war, dass niemand verletzt wurde, gingen sie einfach weiter. Niemand blieb stehen, um Fotos oder Videos zu machen. Fast wirkte es, als gehörten kleinere Begegnungen zwischen Autos und Rollern hier zum Alltag. Zumindest sehen einige Autos an der rechten Seite tatsächlich danach aus. Endlich angekommen in Mataró Die letzten Meter bis zum Hotel verliefen dann zum Glück ohne weitere Überraschung. Einchecken, das Auto in der Tiefgarage abstellen und erst einmal tief durchatmen. Das B&B Hotel Barcelona Mataró überraschte sehr positiv. Es war überhaupt nicht mit den einfachen B&B Hotels an der französischen Autobahn zu vergleichen, die für eine Nacht vollkommen ausreichten, aber wenig mehr boten. Hier war alles sauber, modern und offenbar noch recht neu. Das Zimmer war schön eingerichtet, das Personal freundlich und die gesamte Atmosphäre deutlich angenehmer. Dazu kamen kostenloser Kaffee und weitere Getränke rund um die Uhr an einer Getränkestation, WLAN, eine gemütliche Lounge sowie Automaten mit Snacks und Getränken. Nach drei Tagen Autofahrt war genau das nötig. Der erste Spaziergang ans Mittelmeer Nach einer kurzen Pause ging es zu Fuß Richtung Strand. Die Küste von Mataró ist zunächst recht felsig und direkt daneben verläuft die Bahnstrecke. Ein Stück weiter führte eine Unterführung hinunter zum eigentlichen Strand. Dort gibt es sogar einen extra abgetrennten Bereich für Hunde. Daneben befinden sich mehrere saubere Sandstrandabschnitte mit angenehm kleinen Wellen. Eine kleine Strandbar versorgt Besucher mit Snacks und Getränken. Gleich nebenan liegt der Yachthafen mit kleinen Geschäften, Bars und Restaurants. Endlich angekommen. Endlich Meer. Ein lebendiger Abend in der Innenstadt Später ging es weiter in die Innenstadt von Mataró. Auf der großen Fußgängerzone herrschte unglaublich viel Betrieb. Die Cafés waren gut besucht, überall wurde geredet und gelacht. Die Menschen wirkten freundlich, entspannt und gut gelaunt. Auch die Geschäfte hatten bis weit in den Abend hinein geöffnet. Zum Abendessen ging es in eines der dortigen Diner. Die Burger waren richtig gut und im Vergleich zu Deutschland erstaunlich günstig. Generell fielen die niedrigen Preise für Essen und besonders für Getränke auf. Wasser scheint hier tatsächlich noch als Grundnahrungsmittel betrachtet zu werden und nicht als Gelegenheit für möglichst hohe Gewinnspannen. Eine Flasche Wasser für einen Euro am Automaten: Wo findet man das bei uns noch? Nach dem Essen folgte ein rund zwei Kilometer langer Spaziergang zurück zum Hotel. Danach hieß es nur noch, den fehlenden Schlaf der vergangenen Tage nachzuholen. Denn der nächste Tag sollte uns nach Barcelona führen. Der Freitag war für einen ausführlichen Ausflug in die katalanische Hauptstadt reserviert. Am Samstag wartete schließlich der eigentliche Grund für diese lange Anreise: die Einschiffung auf die MSC Grandiosa. Dazu dann in den nächsten Berichten mehr. Teilen mit: Auf Facebook teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Facebook Einen Link per E-Mail an einen Freund senden (Wird in neuem Fenster geöffnet) E-Mail Auf WhatsApp teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) WhatsApp Gefällt mir:Gefällt mir Wird geladen … Beitragsnavigation Rückblick Barcelona