Ein Alarmton auf einem Kreuzfahrtschiff lässt einen sofort aufhorchen. Wenn er ein zweites und ein drittes Mal ertönt, geht einem unweigerlich durch den Kopf: Hoffentlich bleibt es dabei. Genau so begann am Abend des 6. August 2026 ein außergewöhnlicher Einsatz an Bord der MSC Grandiosa. Aus einem kurzen Alarm wurde eine fast zweistündige Suchaktion auf dem Mittelmeer. Am Ende stand die wohl beste Nachricht, die es in dieser Situation geben konnte: Alle Passagiere und alle Crewmitglieder waren an Bord. Es hatte sich um einen Fehlalarm des Systems gehandelt. Doch bis diese Gewissheit da war, zeigte sich eindrucksvoll, wie ein Kreuzfahrtschiff mit einer möglichen Mann über Bord Situation umgeht. Dreimal ertönt ein Alarmton Es war gegen 22 Uhr. Gerade saß man bei einer Show, die kurz vor Beginn stand, als plötzlich dreimal kurz hintereinander ein Alarmton durch das Schiff ging. In so einem Moment erschrickt man automatisch. Und gleichzeitig zählt man mit. Eins. Zwei. Drei. Dann Ruhe. Der Gedanke dabei: Hoffentlich bleibt es bei diesen drei Tönen und es folgen nicht sieben kurze Töne mit anschließend einem langen Ton. Denn dieses Signal ist auf Passagierschiffen das allgemeine Notsignal und weist auf eine Notfallsituation hin, bei der die jeweiligen Sicherheitsanweisungen zu befolgen sind. Wenige Augenblicke später folgte bereits eine Durchsage, die deutlich machte, worum es ging: „Crew Alert, Man Overboard at starboard.“ Damit war klar: Es gab eine Mann über Bord Meldung auf der Steuerbordseite. Erst Ruhe, dann Unruhe bei der Crew Im Zuschauerraum wurde es ruhig. Bei der Crew war dagegen sofort zu spüren, dass nun etwas passierte. Es wurde gesprochen und offenbar abgeklärt, wie mit der bevorstehenden Show verfahren werden sollte. Findet sie statt? Wird sie abgesagt? Was passiert jetzt? Schließlich begann die Show tatsächlich. Doch gerade einmal ungefähr zwei Minuten später war wieder Schluss. Der Künstler auf der Bühne stoppte augenblicklich. Fast so, als würde er auf Knopfdruck einfrieren. Keine hektische Reaktion, kein irritiertes Umherblicken. Die Vorstellung wurde sofort unterbrochen und alle warteten auf die folgende Durchsage. Nun meldete sich die Brücke bei den Passagieren. Mehrsprachig wurde erklärt, dass das System eine Mann über Bord Meldung ausgelöst habe. Eine Suchaktion werde eingeleitet und man bat um Verständnis für die Maßnahmen. Danach begann die Show noch einmal von vorne. Wenige Minuten später wird die Show erneut gestoppt Lange dauerte sie auch diesmal nicht. Wieder kam eine Durchsage von der Brücke. Und wieder das gleiche Bild auf der Bühne: Der Künstler stoppte sofort und blieb stehen, während alle auf die Durchsage warteten. Diesmal änderte sich die Situation deutlich. Alle Passagiere wurden gebeten, ihre Kabinen aufzusuchen. Die Crew müsse aufgrund des Alarms weitere Maßnahmen durchführen. Die Vorstellung wurde daraufhin nicht fortgesetzt und die Passagiere machten sich auf den Weg zu ihren Kabinen. Alle Passagiere müssen auf ihre Kabinen Was nun folgte, ist besonders in Erinnerung geblieben. Sehr viele Menschen wollten gleichzeitig aus den öffentlichen Bereichen zurück zu ihren Kabinen. Entsprechend voll waren Treppenhäuser und Gänge. Trotzdem entstand keinerlei Panik. Die Menschen schoben sich langsam und ruhig durch das Treppenhaus. Natürlich wurde überall gesprochen und darüber diskutiert, was wohl passiert sein könnte. Aber niemand war erkennbar sauer, niemand drängelte hektisch und es entstand auch keine aggressive Stimmung. Dann ertönte erneut eine Durchsage. Fast automatisch blieb alles stehen. Von mehreren Seiten hörte man nur: „Psssst!“ Innerhalb weniger Sekunden war es im vollen Treppenhaus nahezu still. Die Brücke erklärte die Situation erneut und bat noch einmal alle Passagiere, direkt auf ihre Kabinen zu gehen und dort zu bleiben. Die Durchsage endete und die Menschen setzten sich wieder in Bewegung. Vielleicht drei Minuten später das gleiche Bild. Eine weitere Durchsage begann und wieder blieb alles stehen. Wieder kam von mehreren Seiten ein „Psssst“, wieder wurde es still. Diesmal galt die Information hauptsächlich der Crew. Anschließend ging es geordnet weiter Richtung Kabinen. Dieser Ablauf war bemerkenswert. So viele Menschen befanden sich in einer völlig unklaren Situation und trotzdem gab es keine erkennbare Hektik, keine Panik und keinen Stress. Alles lief erstaunlich ruhig, geordnet und zivilisiert ab. Die Suche läuft Auf der Kabine angekommen, hieß es zunächst warten. Der Blick nach draußen zeigte inzwischen deutlich, dass die MSC Grandiosa nicht mehr einfach ihrem normalen Kurs folgte. Das Schiff fuhr offenbar ein Suchmuster. Ein Scheinwerfer suchte die Wasseroberfläche ab. Dabei fiel allerdings auf, wie erstaunlich klein und schwach selbst ein solcher Lichtkegel auf dem riesigen dunklen Meer wirkt. Die MSC Grandiosa bewegte sich nur noch mit minimaler Geschwindigkeit. Immer wieder wanderte der Scheinwerfer über das Wasser. Bei Bewegungen auf der Oberfläche, Schaum der Wellen oder Verschmutzungen im Wasser schien die Suche besonders aufmerksam zu werden. In diesem Moment bekommt man erstmals eine Vorstellung davon, wie schwierig eine Suche nach einem Menschen auf dem offenen Meer bei Dunkelheit tatsächlich sein muss. default Klopfen an der Kabinentür Kurze Zeit später klopfte es. Vor der Tür standen der Housekeeper und seine Vorgesetzte. Die Bitte war einfach: Bordkarten zeigen. Die Karten wurden kontrolliert beziehungsweise eingelesen. Spätestens jetzt wurde klar, warum alle Passagiere auf ihre Kabinen geschickt worden waren. Es musste festgestellt werden, ob tatsächlich jemand fehlte. Die Suche lief damit auf zwei Ebenen gleichzeitig: draußen auf dem Meer und innerhalb des Schiffes. Hubschrauber und Boot beteiligen sich an der Suche Wenig später tauchte ein Hubschrauber auf. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die MSC Grandiosa auf dem Mittelmeer zwischen Menorca und Mallorca. Auch der Hubschrauber begann, die Wasseroberfläche mit einem Scheinwerfer abzusuchen. Aus der Kabine ließ sich beobachten, wie Schiff und Hubschrauber offenbar abgestimmt und in festen Mustern suchten. Später war in einiger Entfernung zusätzlich ein Boot mit einem Scheinwerfer zu erkennen. Der Lichtkegel der MSC Grandiosa wanderte dabei immer wieder über die Wasseroberfläche und blieb bei Auffälligkeiten kurz stehen, etwa bei Bewegungen, Schaum oder Verschmutzungen im Wasser. Die gesamte Suche wirkte ruhig, bedacht und systematisch. Während draußen gesucht wird, läuft an Bord die Zählung Parallel wurde die Kontrolle an Bord fortgesetzt. Immer wieder waren Durchsagen zu hören. Zunächst wurden Crewmitglieder beziehungsweise Crewnummern aufgerufen und aufgefordert, sich auf Deck 4 zu melden. Später wurden einzelne Crewmitglieder namentlich genannt, offenbar weil auf vorherige Aufrufe noch keine Reaktion erfolgt war. Auch Namen von Passagieren waren während der folgenden Stunde immer wieder über die Lautsprecher zu hören. Sie sollten sich beim Service beziehungsweise an einer angegebenen Stelle melden. Man merkte: Die Zählung lief weiter. Kabine für Kabine, Crewmitglied für Crewmitglied und Passagier für Passagier musste geklärt werden, ob tatsächlich jemand fehlte. Und währenddessen ging die Suche auf dem Meer weiter. Nach knapp zwei Stunden die erlösende Nachricht Dann, nach knapp zwei Stunden, kam endlich die Durchsage, auf die vermutlich das gesamte Schiff gewartet hatte. Alle Passagiere und alle Crewmitglieder waren an Bord. Niemand wurde vermisst. Die Mann über Bord Meldung hatte sich als Fehlalarm des Systems herausgestellt. Aufatmen. Die Brücke erklärte noch einmal, dass das System die entsprechende Meldung ausgelöst hatte und man einer solchen Meldung selbstverständlich zunächst nachgehen müsse. Gleichzeitig bedankte man sich bei den Passagieren für das Verständnis und die Zusammenarbeit während des Einsatzes. Anschließend nahm die MSC Grandiosa ihre Fahrt wieder auf. Trotz der fast zweistündigen Unterbrechung wurde Palma de Mallorca am folgenden Tag pünktlich erreicht. Am nächsten Tag Damit war das Thema für MSC aber noch nicht einfach erledigt. Am folgenden Tag lag zusätzlich ein Schreiben auf der Kabine. Darin wurde noch einmal erklärt, was am Vorabend passiert war, und man entschuldigte sich für die entstandenen Einschränkungen. Für den gesamten Ablauf und besonders die Kommunikation kann man an dieser Stelle nur ein großes Lob aussprechen. Von der ersten Information während der Show über die wiederholten Durchsagen während des Einsatzes bis hin zur abschließenden Erklärung und dem Kabinenbrief am nächsten Tag wurde sehr offen kommuniziert. Natürlich entstehen in einer solchen Situation Fragen. Natürlich möchte man wissen, was passiert ist. Aber zu keinem Zeitpunkt entstand der Eindruck, dass etwas verschwiegen oder die Situation heruntergespielt wurde. Besonders beeindruckend war die Ruhe an Bord Rückblickend bleibt neben dem glücklichen Ausgang vor allem eines hängen: die Ruhe. Die Show wurde unterbrochen, alle Passagiere mussten gleichzeitig auf ihre Kabinen, Crewmitglieder kontrollierten das gesamte Schiff, draußen lief eine Suchaktion mit Hubschrauber und Boot und über die Lautsprecher wurden immer wieder Namen ausgerufen. Trotzdem entstand nach meinem Eindruck keine Panik. Gerade die Szenen im Treppenhaus bleiben in Erinnerung. Eine Durchsage begann, alle blieben stehen und aus verschiedenen Richtungen kam ein leises „Psssst“, bis es vollkommen ruhig war. Danach ging es geordnet weiter. Auch von anderen Passagieren war während und nach dem Einsatz vor allem Verständnis zu hören. Niemand möchte wegen eines Fehlalarms eine Show abbrechen oder längere Zeit auf der Kabine verbringen. Aber wenn ein System eine mögliche Person über Bord meldet, muss dieser Meldung nachgegangen werden. Lieber einmal zu viel suchen als einmal zu wenig. Am Ende nahm dieser außergewöhnliche Abend den bestmöglichen Ausgang. Alle Passagiere an Bord. Alle Crewmitglieder an Bord. Niemand im Meer. Und zugleich blieb der Eindruck zurück, wie umfangreich die Abläufe hinter den Kulissen sind, wenn auf einem Kreuzfahrtschiff auch nur die Möglichkeit besteht, dass ein Mensch über Bord gegangen sein könnte. Für den Ablauf, die Ruhe und vor allem die durchgehende Kommunikation an diesem Abend gibt es deshalb ein klares Lob an die Crew der MSC Grandiosa. Zum Glück blieb es bei einem Fehlalarm und nahm ein glückliches Ende. Teilen mit: Auf Facebook teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Facebook Einen Link per E-Mail an einen Freund senden (Wird in neuem Fenster geöffnet) E-Mail Auf WhatsApp teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) WhatsApp Gefällt mir:Gefällt mir Wird geladen … Beitragsnavigation Hier entsteht Barcelonas neues Cruise Terminal