Spitzbergen, norwegisch Svalbard, ist eine Inselgruppe im Arktischen Ozean und gehört zu den nördlichsten dauerhaft bewohnten Regionen der Erde. Etwa auf halbem Weg zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol gelegen, ist Svalbard ein Ort voller Gegensätze: raue Natur, beeindruckende Gletscher und schneebedeckte Berge treffen auf moderne Forschung und eine bewegte Geschichte. Die größte Siedlung ist Longyearbyen, in der rund 2.500 Menschen aus mehr als 50 Nationen leben. Damit ist sie die größte Ortschaft der Inselgruppe und zugleich eine der nördlichsten dauerhaft bewohnten Siedlungen der Welt. Lange Zeit war der Bergbau die wichtigste Einnahmequelle der Inselgruppe. Vor allem der Steinkohleabbau prägte Svalbard über mehr als ein Jahrhundert. Heute spielen Wissenschaft, Forschung und der Tourismus eine immer größere Rolle. Zahlreiche internationale Forschungsstationen untersuchen hier unter anderem den Klimawandel, die Atmosphäre und das Leben in der Arktis. Weltweit bekannt ist Spitzbergen außerdem für den Svalbard Global Seed Vault, die internationale Saatgutbank, die tief im Permafrost eines Berges errichtet wurde. Hier werden Millionen von Samenproben aus nahezu allen Ländern der Welt sicher gelagert, als eine Art Versicherung für die Zukunft der Menschheit, falls Pflanzenarten durch Naturkatastrophen, Kriege oder den Klimawandel verloren gehen sollten. Powered by GetYourGuide Der nördlichste Ort, den ich jemals bereist habe Spitzbergen ist der nördlichste Ort, den ich jemals bereist habe. Die Landschaft wirkt zunächst karg. Schneebedeckte Berge, graue Felsen, keine Bäume und doch strahlt genau diese raue Kulisse eine unglaubliche Ruhe aus. Sie wirkt schon fast sanft und es fühlt sich an, als würde man eine völlig andere Welt betreten, fernab von allem, was man kennt. Nach dem Anlegen ging es zu Fuß auf den Weg in die kleine Innenstadt von Longyearbyen. Ein wichtiger Hinweis: Außerhalb der Siedlungen sollte man niemals allein unterwegs sein. Tatsächlich leben auf Spitzbergen mehr Eisbären als Menschen. Wer den Ort verlässt, sei es zum Wandern, mit dem Schneemobil oder auf anderen Wegen, sollte dies ausschließlich mit erfahrenen Guides oder Personen tun, die entsprechend ausgerüstet und geschult sind. Überall begegnet man der Vergangenheit des Bergbaus. Alte Förderwagen, stillgelegte Stolleneingänge, ehemalige Fördertürme, Seilbahnstützen der früheren Materialseilbahnen und verlassene Bergwerksanlagen erzählen von einer Zeit, in der hier fast alles vom Kohleabbau lebte. Die Relikte sind überall sichtbar und verleihen Longyearbyen seinen ganz eigenen Charakter. Gleichzeitig überrascht die Natur. Die Flora und Fauna wirkt auf den ersten Blick schlicht, doch gerade darin liegt ihre Besonderheit. Überall leuchtet das weiße Wollgras zwischen den Steinen, dazu entdeckt man mit etwas Glück Nonnengänse, Meerstrandläufer und viele weitere arktische Vogelarten. Die Tier- und Pflanzenwelt ist nicht üppig, aber genau deshalb wirkt jede einzelne Begegnung umso intensiver. Ebenso faszinierend sind die zahlreichen Schneemobile, die man praktisch vor jedem Haus stehen sieht. Im langen Polarwinter, wenn Straßen verschneit sind und die Landschaft von Eis bedeckt wird, gehören sie hier ganz selbstverständlich zum Alltag. Auch die Häuser fallen sofort auf. Viele Gebäude stehen auf Pfählen, dass hat einen wichtigen Grund. Durch diese Bauweise wird verhindert, dass die Wärme der Gebäude den darunterliegenden Permafrostboden auftaut. Würde dieser Boden schmelzen, könnten Fundamente instabil werden. Beim Bummel durch die Fußgängerzone fällt irgendwann ein ungewöhnliches Schild auf: „No firearms“, der Hinweis, dass Waffen in diesem Gebäude verboten sind. Was zunächst irritierend wirkt, erklärt sich schnell. Außerhalb von Longyearbyen besteht grundsätzlich die Gefahr, einem Eisbären zu begegnen. Deshalb tragen Einheimische, Guides und Menschen, die regelmäßig außerhalb der Siedlung unterwegs sind, häufig ein Gewehr, ausschließlich zur Selbstverteidigung im absoluten Notfall. Innerhalb des Ortes gelten diese Waffen jedoch als unnötig und dürfen deshalb in öffentliche Gebäude, Restaurants, Museen oder Hotels nicht mitgenommen werden. Deshalb stehen an vielen Eingängen Schließfächer oder Waffenschränke bereit. Longyearbyen selbst lässt sich wunderbar auf eigene Faust erkunden. Besonders sehenswert ist das Svalbard Museum. Dort erfährt man unglaublich viel über die Geschichte des Bergbaus, die Tierwelt der Arktis, die ersten Polarexpeditionen, das Leben der Menschen unter den extremen Bedingungen und die Entwicklung der Siedlung bis heute. Ein Besuch lohnt sich definitiv. Überall laden kleine Cafés und Geschäfte zum Verweilen ein. Tatsächlich kann ich euch auch empfehlen, einmal den örtlichen Supermarkt zu besuchen. Es ist immer spannend zu sehen, wie das alltägliche Leben an einem so abgelegenen Ort aussieht. Ein Café wollte ich unbedingt besuchen: Café Huskies. Ich liebe Tiere und Huskys gehören für mich zu den freundlichsten und einfühlsamsten Hunden überhaupt. Leider war das Café an diesem Tag völlig überfüllt und ich habe dort nur ein kurzen Blick hineingeworfen. Schon am Eingang fiel mir etwas auf, dass ich von vielen öffentlichen Einrichtungen auf Spitzbergen kannte: Die Schuhe werden ausgezogen. Ob im Museum, in der Kirche oder eben im Café, dass gehört hier vielerorts ganz selbstverständlich dazu. So bleibt Schnee, Matsch und Schmutz draußen. Direkt am Eingang lag ein Husky, umringt von vielen Menschen. Doch dann entdeckte ich hinten in einer Ecke einen zweiten Hund. Man musste nicht lange hinschauen, er wirkte verängstigt. Die vielen Menschen schienen ihm einfach zu viel zu sein. Es tat mir ehrlich gesagt im Herzen weh, man konnte sehen, dass er sich unwohl fühlte. Deshalb möchte ich euch etwas mitgeben: Wenn ihr Tiere liebt, dann zeigt ihnen diese Liebe, indem ihr ihre Grenzen respektiert. Nicht jedes Tier möchte gestreichelt werden oder ständig Aufmerksamkeit bekommen. Wenn ihr merkt, dass sich ein Tier zurückzieht oder gestresst wirkt, gebt ihm bitte den nötigen Raum. Falls es erforderlich erscheint, sprecht auch die Besitzer freundlich darauf an. Das Café selbst hat mir trotzdem sehr gefallen. Es besitzt eine gemütliche Atmosphäre (wenn es nicht zu voll wäre) und ist bekannt für seinen selbstgebackenen Kuchen und richtig guten Kaffee. Longyearbyen wirkt insgesamt durchaus industriell geprägt. Die Geschichte des Bergbaus ist allgegenwärtig. Doch genau das macht den Ort so besonders. Zwischen alter Industrie, arktischer Wildnis und moderner Forschung entsteht eine Atmosphäre, die man so kaum irgendwo anders auf der Welt findet. Zum Schluss habe ich noch einen kleinen Tipp für euch Wenn ihr das berühmte Foto am Eisbären-Warnschild machen möchtet, habt etwas Geduld. Gefühlt ist direkt nach dem Anlegen fast das komplette Kreuzfahrtschiff zu diesem Schild gelaufen. Wartet einfach ein wenig oder geht erst kurz vor der Rückkehr zum Schiff dorthin. Am Ende war niemand mehr dort und ich konnte das Foto ganz entspannt und ohne Menschenmassen machen. Falls ihr einen Ausflug buchen möchtet, egal ob über eure Reederei oder einen örtlichen Anbieter, werden euch auch Huskytouren angeboten. Natürlich sind Huskys seit Generationen als Schlittenhunde gezüchtet und hervorragend für diese Aufgabe geeignet. Trotzdem lohnt es sich, sich vor einer Buchung intensiv mit dem jeweiligen Anbieter auseinanderzusetzen und darauf zu achten, wie die Tiere gehalten und behandelt werden. Mir persönlich fällt es schwer einzuschätzen, ob jeder Anbieter den Ansprüchen an einen verantwortungsvollen und respektvollen Umgang mit den Hunden gerecht wird. Deshalb sollte jeder diese Entscheidung bewusst und gut informiert treffen. Hinzu kommt, dass solche Touren häufig auch preislich im oberen Bereich liegen. Mein Fazit zu Longyearbyen: Longyearbyen ist kein Ort, den man wegen spektakulärer Sehenswürdigkeiten besucht. Es ist vielmehr dieses besondere Gefühl, am Rand der bewohnten Welt zu stehen. Die Mischung aus arktischer Natur, Bergbaugeschichte, moderner Forschung und der allgegenwärtigen Wildnis macht diesen Ort einzigartig. Für mich war Longyearbyen weit mehr als nur ein weiterer Hafen auf einer Kreuzfahrt. Es war ein Ort, der entschleunigt, beeindruckt und zum Nachdenken anregt. Einer dieser seltenen Orte, an die man noch lange zurückdenkt, weil sie nicht laut sind, sondern leise ihre ganz eigene Geschichte erzählen. 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