Tag 1 – Zwischen Kaiserflair, Kaffeehauskultur und unvergesslichen Momenten

Wien, eine Stadt die einen nicht mehr loslässt. Eine Stadt, in der Vergangenheit und Gegenwart auf so elegante Weise miteinander verschmelzen, dass jeder Spaziergang wie eine kleine Zeitreise wirkt. Hinter jeder Straßenecke wartet ein prachtvolles Gebäude, ein versteckter Innenhof oder ein traditionsreiches Kaffeehaus, das Geschichten aus längst vergangenen Jahrhunderten zu erzählen scheint.



Mit rund zwei Millionen Einwohnern ist Wien nicht nur die Hauptstadt Österreichs, sondern zugleich die größte Stadt des Landes. Seit vielen Jahren zählt sie zu den lebenswertesten Städten der Welt. Die österreichische Metropole ist ein bedeutendes Zentrum für Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und internationale Organisationen. Unternehmen aus den Bereichen Forschung, Technologie und Dienstleistungen haben hier ebenso ihren Sitz wie zahlreiche internationale Institutionen. Gleichzeitig ist Wien weltberühmt für seine Musikgeschichte, seine Museen, seine kaiserlichen Bauwerke und die einzigartige Kaffeehauskultur.

Die Geschichte Wiens reicht über zweitausend Jahre zurück. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Wien zur Residenzstadt der Habsburger und wurde zum politischen und kulturellen Mittelpunkt Europas. Kaiser, Königinnen, Komponisten und Künstler prägten das Stadtbild bis heute. Namen wie Mozart, Beethoven, Gustav Klimt oder Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als Sisi, sind untrennbar mit Wien verbunden. Genau diese Mischung aus Geschichte, Kunst und Lebensgefühl macht den besonderen Zauber dieser Stadt aus.


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Es war bereits mein dritter Besuch in dieser wunderschönen Stadt.

Die unverwechselbare Atmosphäre der Stadt begleitete uns vom ersten Moment an. Wien empfing uns mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen, wie man sie sich für ein verlängertes Pfingstwochenende kaum schöner wünschen könnte.

Die Stadt lässt sich hervorragend zu Fuß erkunden. Viele der bekanntesten Sehenswürdigkeiten liegen erstaunlich nah beieinander. Für längere Strecken bietet sich das hervorragend ausgebaute Netz der Öffentlichen Verkehrsmittel Wiens an, sodass sich Spaziergänge wunderbar mit U-Bahn, Straßenbahn oder Bus kombinieren lassen.

Wenn ihr mehrere Tage in Wien verbringt, lohnt sich die Vienna City Card auf jeden Fall. Je nach gewählter Laufzeit könnt ihr die öffentlichen Verkehrsmittel unbegrenzt nutzen und erhaltet zusätzlich zahlreiche Ermäßigungen bei Museen, Sehenswürdigkeiten und Attraktionen. Gerade wenn ihr das Schloss Belvedere, die Albertina oder weitere Museen besuchen möchtet, summieren sich die Rabatte schnell.

Ein Tipp: Bucht für beliebte Sehenswürdigkeiten Tickets unbedingt schon vor eurer Reise online. Besonders das Belvedere ist häufig Wochen im Voraus ausgebucht. Viele Museen arbeiten inzwischen mit festen Zeitfenstern, sodass spontane Besuche gerade an Feiertagen oder verlängerten Wochenenden schwierig werden können.

Wir entschieden uns diesmal dafür, Flug und Hotel separat zu buchen und bewusst auf Frühstück im Hotel zu verzichten. Gerade Wien ist eine Stadt, in der man die traditionsreiche Kaffeehauskultur erleben sollte, warum also den Tag nicht lieber in einem gemütlichen Café beginnen?



Pfingsten ist übrigens eine wunderschöne Reisezeit. Die Parks stehen in sattem Grün, unzählige Blumen blühen und die Stadt wirkt besonders lebendig. Behaltet jedoch regionale Feiertage und geänderte Öffnungszeiten im Blick, denn diese können euren Tagesplan beeinflussen.

Tag 1 – Vom Stephansdoms bis zu einem Abend voller Musik

Unser erster Weg führte uns direkt zum Wahrzeichen der Stadt, dem Stephansdom, den die Wiener liebevoll einfach nur „Steffl“ nennen.

Es sind nicht nur seine gewaltigen Mauern oder die filigranen Verzierungen. Es ist dieses Gefühl, vor einem Bauwerk zu stehen, das seit Jahrhunderten Kriege, Kaiserzeiten und unzählige Generationen erlebt hat. Während ringsherum das Leben pulsiert, scheint im Schatten des Doms die Zeit für einen Augenblick stillzustehen.

Als wir das Innere betraten, erwartete uns eine Überraschung, mit der wir überhaupt nicht gerechnet hatten. Gerade fand eine Firmung statt. Wir beide sind zwar konfessionslos, dennoch entschieden wir uns, einen Moment zu bleiben und genau dieser ungeplante Augenblick wurde zu einem beeindruckenden Erlebnis.


Festlich gekleidete Familien versammelten sich in den Bankreihen. Feierliche Musik erfüllte den gewaltigen Kirchenraum, während die Orgel mit ihren mächtigen Klängen jede einzelne Säule zum Schwingen zu bringen schien.

Rund um den Stephansplatz fand der Steffl-Kirtag statt, ein traditioneller Markt, der jedes Jahr von Christi Himmelfahrt bis zum Pfingstmontag veranstaltet wird. Zwischen liebevoll dekorierten Holzhütten duftete es nach frisch gebackenem Brot, süßen Mehlspeisen und regionalen Spezialitäten. Kunsthandwerker präsentierten ihre Arbeiten und kleine Familienbetriebe boten handgemachte Produkte an.

Wir ließen uns ganz ohne Zeitdruck treiben, stöberten durch die Stände und entdeckten immer wieder kleine Besonderheiten. Genau solche Märkte lieben ich auf Reisen.



Anschließend verließen wir bewusst die großen Einkaufsstraßen und schlugen kleine Seitengassen ein und genau dort zeigt Wien für mich seine schönste Seite.

Abseits der bekannten Touristenwege eröffnet sich eine Welt aus kunstvoll verzierten Innenhöfen und kleinen Gassen, in denen man hinter jeder Ecke etwas Neues entdeckt. Immer wieder tauchten prachtvolle Kirchen, winzige Kapellen oder versteckte Innenhöfe auf, geschmückt mit Blumen, schmiedeeisernen Balkonen und alten Laternen.

Die Fassaden erzählen Geschichten vergangener Jahrhunderte. Stuckverzierungen schmücken beinahe jedes Haus, elegante Erker ragen über die Straßen und kunstvolle Tore laden dazu ein, neugierig hindurchzublicken.

Zwischen all der historischen Architektur verstecken sich kleine Cafés, traditionelle Bäckereien und liebevoll geführte Geschäfte, die zum Stöbern einladen. Genau diese Mischung aus Geschichte und lebendigem Alltag macht Wien für mich so besonders.

Natürlich waren an diesem sonnigen Pfingstwochenende unzählige Menschen unterwegs. Wien war voller Leben.

Wer bekannte Cafés oder Restaurants besuchen möchte, sollte etwas Geduld mitbringen oder im besten Fall schon einige Tage vorher reservieren. Gerade beliebte Adressen wie das berühmte Café Sacher, Heimat der originalen Sachertorte, sind nahezu immer gut besucht. Oft bilden sich lange Warteschlangen.



Auch Shoppingliebhaber kommen in Wien voll auf ihre Kosten. Von luxuriösen Designerboutiquen über internationale Marken bis hin zu kleinen österreichischen Manufakturen findet man hier wirklich alles. Und eines fiel uns immer wieder auf: Die Wiener scheinen Mode im Blut zu haben. Elegant gekleidet, stilbewusst und dabei niemals aufdringlich, irgendwie passt dieser Charme einfach perfekt zur Stadt.

Zwischen Kunst, Palmen und Schmetterlingen – Wiens grüne Oasen

Unser Weg führte uns schließlich weiter in Richtung Albertina. Schon der Weg dorthin ist ein kleines Erlebnis. Wien versteht es wie kaum eine andere Stadt, prachtvolle Architektur mit liebevoll angelegten Grünflächen zu verbinden. Immer wieder laden Parkbänke dazu ein, für einen Moment innezuhalten und das Leben um sich herum zu beobachten.

Vor der Albertina erstreckt sich der Burggarten, einer der schönsten historischen Parks Wiens. Einst war er der private Garten von Kaiser Franz II. und damit ausschließlich der kaiserlichen Familie vorbehalten. Heute ist er ein Ort der Ruhe mitten im Herzen der Stadt.



Auf den sattgrünen Wiesen lagen Menschen mit Büchern in der Hand, Paare genossen die Sonne, Freunde spielten Karten oder Schach, Kinder liefen lachend über die Rasenflächen und überall schien die Zeit ein wenig langsamer zu vergehen. Niemand hatte es eilig.

Nur wenige Schritte entfernt befindet sich das wunderschöne Palmenhaus. Die filigrane Eisen-Glas-Konstruktion stammt aus dem Jahr 1901 und zählt zu den schönsten Jugendstilbauten der Stadt. Ursprünglich wurde das Gebäude als Gewächshaus für die kaiserlichen Hofgärten errichtet. Heute beherbergt es ein stilvolles Café und Restaurant, das mit seinem einzigartigen Ambiente zu den schönsten Einkehrmöglichkeiten Wiens zählt.

Bei den sommerlichen Temperaturen kam eine kleine Pause gerade recht.

Uns wurde ein Platz direkt an der Glasfront zugewiesen, bestellten einen kühlen Aperol Sprizz und genossen einfach den Moment. Die Patisserie des Palmenhauses ist übrigens ebenfalls absolut empfehlenswert.


Direkt neben dem Palmenhaus befindet sich das Schmetterlingshaus , ein Ort, den wir ursprünglich gar nicht auf unserer Liste hatten. Beim Betreten schlug uns warme, tropische Luft entgegen. Üppige Pflanzen, kleine Wasserläufe und das leise Plätschern der Brunnen ließen für einen Moment vergessen, dass wir uns mitten im Zentrum Wiens befanden. Überall flatterten Schmetterlinge und immer wieder landeten sie ganz nah auf Blättern oder Blüten und boten einen unglaublichen Anblick.

Mit diesem Gefühl der Leichtigkeit verließen wir das Schmetterlingshaus und machten uns auf den Weg zur Hofburg.

Während wir über die weitläufigen Plätze spazierten, ließen wir unseren Blick über die monumentalen Fassaden schweifen. Goldene Verzierungen funkelten in der Sonne, mächtige Kuppeln ragten in den Himmel und kunstvoll gearbeitete Skulpturen schmückten beinahe jedes Gebäude. Es ist kaum vorstellbar, welche Geschichten sich hinter diesen Mauern abgespielt haben.

Nur wenige Schritte weiter liegt die weltberühmte Spanische Hofreitschule.

Gemächlich ziehen die geschmückten Pferdekutschen über das Kopfsteinpflaster und verleihen der Stadt eine fast romantische Kulisse. Wer eine Fahrt unternehmen möchte, sollte sich allerdings vorab über die Preise informieren und auch einen Blick darauf werfen, wie die jeweiligen Anbieter mit ihren Tieren umgehen. Wir selbst entschieden uns bewusst gegen eine Fahrt und genossen den Anblick lieber zu Fuß.

Schaut auf euren Spaziergängen ruhig einmal in die örtlichen Supermärkte hinein. Ich liebe es, auf Reisen regionale Produkte zu entdecken.



Eine kleine Zeitreise unter dem Graben

Öffentliche Toiletten gehören wohl kaum zu den Dingen, über die man in einem Reisebericht schreibt und doch gibt es in Wien eine Anlage, die genau das verdient.

Am Graben, einer der bekanntesten Flaniermeilen der Stadt, führt eine unscheinbare Treppe hinab in eine andere Zeit. Bereits 1905 wurde die unterirdische öffentliche Bedürfnisanstalt eröffnet.

Wo man sonst sterile, zweckmäßige Räume erwartet, eröffnet sich hier ein kleines Jugendstil-Juwel. Messingbeschläge, geschliffene Glasscheiben spiegeln die kunstvollen Ornamente wider und selbst das dunkle Eichen- und Teakholz erzählt von einer Zeit, in der selbst alltägliche Gebäude mit außergewöhnlicher Sorgfalt gestaltet wurden.Trotz moderner Technik blieb der historische Charakter vollständig erhalten. Sogar die Waschbecken befinden sich, ganz wie vor über hundert Jahren, direkt in den einzelnen Kabinen. Man entdeckt Dinge, die in kaum einem klassischen Reiseführer stehen und über die man später noch schmunzelnd erzählt.

Aus aller Welt – der Wiener Naschmarkt

Nach so vielen Eindrücken zog es uns weiter zum wohl bekanntesten Markt Wiens, dem Naschmarkt.

Schon von Weitem mischten sich die unterschiedlichsten Düfte in der warmen Luft. Frisch gebackenes Fladenbrot, orientalische Gewürze, reife Erdbeeren, gegrilltes Gemüse, exotische Kräuter und süße Mehlspeisen, jeder Schritt ließ einen neuen Duft entstehen. Der Naschmarkt ist weit mehr als ein gewöhnlicher Wochenmarkt.

Zwischen den Marktständen stapelten sich leuchtend rote Kirschen, sonnengelbe Zitronen, saftige Pfirsiche und Gewürze in allen erdenklichen Farben. Immer wieder boten Händler kleine Kostproben an, Eismanufakturen lockten mit hausgemachtem Gelato und in den kleinen Restaurants wurden Gerichte frisch vor den Augen der Gäste zubereitet.

Trotz aller Begeisterung gibt es einen kleinen Tipp, den ich euch mitgeben möchte: Achtet an einigen Ständen auf die Preisangaben. Nicht überall sind diese gut sichtbar ausgezeichnet, und so kann der Einkauf schnell teurer werden als erwartet.

Die Karlskirche – Wiens barockes Meisterwerk

Langsam neigte sich der Nachmittag dem Abend entgegen. Unser nächstes Ziel war die Karlskirche.

Majestätisch erhebt sie sich am Karlsplatz und zählt für viele zu den schönsten Barockkirchen Europas. Vor der Kirche spiegelte sich ihre prächtige Fassade im Wasser des großen Beckens.

Zwei gewaltige Triumphsäulen flankieren den Eingangsbereich, darüber erhebt sich die imposante grüne Kuppel in den strahlend blauen Himmel. Im Inneren erwartete uns eine ganz besondere Möglichkeit, eine Außenplattform und der Blick über Wien war schlichtweg atemberaubend.



Als die Sonne langsam hinter den Dächern Wiens verschwand, war unser erster Reisetag noch nicht vorbei.

Am Abend wartete ein ganz besonderes Highlight auf uns: Tim Bendzko. Besser hätte unser erster Tag in Wien kaum enden können.

Glücklich, voller neuer Eindrücke und mit einem Lächeln im Gesicht machten wir uns schließlich auf den Rückweg ins Hotel und ließen den Tag mit einem köstlichen Aperol Sprizz ausklingen.

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Von Julia

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